Direkt zum Inhalt

Direkt zur Navigation

The trend and lifestyle site, inspired by symrise
125 Jahre Lippenstift
125 Jahre Lippenstift
© Igor Groshev - Fotolia.com

125 Jahre Lippenstift

Er ist das meistverkaufte Kosmetikprodukt der Welt. 1883 – vor 125 Jahren – erfanden zwei Pariser Parfümeure den Prototyp des heutigen Lippenstifts. Seitdem ist der Siegeszug dieses wohl wichtigsten Kosmetikutensils nicht mehr aufzuhalten.

Der älteste Fund, der auf das Färben von Lippen hindeutet, geht auf das Jahr 3500 vor Christus zurück und auch die Ägypterinnen betonten ihre Lippen schon. Zu Zeiten Nofretetes wurde die kostbare Farbe allerdings noch in kleinen Döschen aufbewahrt. Griechen und Japaner färbten sich die Lippen mit einer Mischung aus Wachs, Pflanzenfarbe und anderen geheimnisvollen Inhaltsstoffen, was nicht selten tödlich endete. Vielleicht deswegen griff Katharina die Große auf ein „natürliches“ Mittel zurück: Sie befahl ihren Hofdamen, ihr die Lippen anzusaugen. Kleine Bisse ertrug Sie dabei klaglos, solange nur die Lippen schön rot leuchteten.

Der erste Lippenstift

Erst 1883 hatten zwei Franzosen die zündende Idee, die herkömmliche Paste in eine handlichere Form zu bringen, indem sie die rote Pomade mit Rizinusöl versetzten und mit Hirschtalg und Bienenwachs festigten. Zu schmalen Rollen in Seidenpapier eingewickelt, war das die Geburtsstunde des Lippenstifts, der erstmals auf der Weltausstellung 1883 in Amsterdam einem breiten Publikum präsentiert wurde. Der große Erfolg blieb jedoch zunächst aus. Das mag am hohen Preis der ersten Lippenstifte gelegen haben, oder daran, dass die geschmolzenen Stifte auf das Innere so mancher Handtasche abfärbten. Als anrüchig galt der Lippenstift außerdem. So recht anfreunden konnten die Menschen sich also anfangs nicht mit den als unhandlich verschmähten „saucisses“ („Würstchen“), die an Wachsmalstifte für Kinder erinnerten, dabei aber so teuer wie ein ganzer Kasten erstklassiger Öle waren.

Rot ist die ultimative Signalfarbe. © Graça Victoria - Fotolia.com, © Smalik - Fotolia.com, © gulnara khaliqova - Fotolia.comRot ist die ultimative Signalfarbe. © Graça Victoria - Fotolia.com, © Smalik - Fotolia.com, © gulnara khaliqova - Fotolia.com

Endgültiger Durchbruch

Erst in den 20er Jahren brach das Eis endgültig: Leinwandstars sorgten für eine neue Popularität des Lippenrots. Allen voran die berühmte Schauspielerin Sarah Bernhardt, die dem Lippenstift den frivolen Namen „Stylo d’Amour“ (Stift der Liebe) gab. Nach ihren Vorbildern in den Stummfilmen malten sich die Frauen brombeerrote, kleine Münder, die sogenannten Bienenstichmünder. Mit dem Ton- und Farbfilm kamen später die breiten und grellroten Lippen in Mode. Der endgültige Durchbruch gelang schließlich mit dem Drehlippenstift, den die Amerikaner 1948 nach dem Krieg nach Westdeutschland brachten. Der „Volkslippenstift“ war schon für 1,50 Mark zu haben, in der DDR gab es die noch preiswertere Variante mit Plastikhülle schon für einige Pfennige.

Heute geben Frauen weltweit rund 600 Millionen Dollar für Lippenstifte aus und weitere 150 Millionen für die glänzendere Variante des Lipgloss. Damit ist der Lippenstift zwar zum Massenartikel geworden, provozieren lässt sich mit ihm aber immer noch. So signalisieren zum Beispiel schwarz angemalte Lippen eine deutliche Ablehnung der gesellschaftlichen Konventionen. Rot ist nach wie vor eine der erregendsten Farben, die gleichzeitig auch eine Signalwirkung hat.

Wechselndes Farbspiel

Gaben in den 60er Jahren warme, leuchtende Farben den Ton an, war in den 70ern bonbonbunt der letzte Schrei. In den 80ern mussten es dann kühle Töne oder grelles Pink sein. Heute ist alles erlaubt und der Lippenstift ist inzwischen zu einem wahren High-Tech-Produkt geworden, das mehr als nur lange Haltbarkeit und geschmeidiges Auftragen verspricht. Kosmetikfirmen werben mit „Netzwerken aus feuchtigkeitsspendenden Kapseln und Polymeren“, „reflexgebenden Pigmenten“ oder Kügelchen, die durch Aufeinanderpressen der Lippen automatisch neue Farbe freigeben.

Die Ausgabe von 3 bis 50 Euro für einen Lippenstift ist also immer noch eine lohnende Investition, auch wenn 65 Prozent der Farbe an Hemdkrägen, Gläserrändern oder einem Männerhals enden.

> Zurück zur Übersicht