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Andrew Zimmern ist ein Mann, der für einen etwas anderen Blick auf die alltägliche Nahrungsaufnahme steht. Bei Hunden allerdings zieht auch ein Andrew Zimmern die Grenze: Die würde er tatsächlich nicht essen. Ansonsten aber ist der kulinarische Weltreisende wenig zimperlich, und dazu gibt es seiner Ansicht nach auch keinen Anlass. „Ich glaube, ich bin für diesen Job geboren,“ sagt Zimmern, „ich habe die Konstitution dafür.“ Fliegende Riesenameisen in Uganda oder verwesender Haifisch auf Island – dafür muss das Verdauungssystem schon geschaffen sein.
Zimmern ist ein gestandener Profi in Sachen Nahrungsaufnahme. © www.travelchannel.comDoch das allein wäre kaum Qualifikation genug für diese Aufgabe globalen Ausmaßes. Was Zimmern so überzeugend macht, sind nicht nur eine robuste Verdauung, gepaart mit Furchtlosigkeit, Offenheit und Neugier – kurzum: seiner Persönlichkeit. Zimmern ist ein gestandener Profi in Sachen Nahrungsaufnahme. Er weiß genau, wovon er redet: Er arbeitete als Küchenchef und Manager in New Yorks feinsten Restaurants, gründete eigene Restaurants und belebt heute als Kritiker, Autor und TV-Moderator in Personalunion die Gastro- und Gourmetszene ebenso wie die TV-Landschaft.
Zimmern ist aber kein Sensationsreporter, er ist ein Genießer. Bei seinen Reisen macht er sich auf die Suche nach den köstlichsten regionalen Spezialitäten vor Ort, macht vorurteilslos die besten Restaurants oder Straßenstände ausfindig („Such nur nach einer langen Schlange glücklicher Kunden!“). Wichtig bei allem ist ihm vor allem eines – dass er immer weiß, woher sein Essen, wie bizarr es auch scheinen mag, gerade kommt. Die Tomatenscheiben in manch einem Hotelbüffet, sagte er einmal, ängstigten ihn mehr als die Lebensmittel vom lokalen Markt.
Für Andrew Zimmern ist die Welt ein großes kulinarisches Abenteuer. © www.travelchannel.comUnd so reist Zimmern seit einigen Jahren um die Welt und verkostet dabei, was andere Kulturen an alltäglichen oder besonderen Nahrungsmitteln zu bieten haben. Mit seiner TV-Serie „Krasse Küche mit Andrew Zimmern“ – im amerikanischen Original „Bizarre Food with Andrew Zimmern“ – lässt er dann den Rest dieser Welt an seinen Erfahrungen teilhaben. Rezepte dazu gibt es dann im Internet.
„Bizarr“, das ist ein Schlüsselbegriff im kulinarischen Glossar von Andrew Zimmern – er sorgt im Fernsehen für die nötige Werbewirksamkeit. Dabei wäre „Authentizität“ ein bedeutend besseres Schlagwort für Zimmerns Motivation bei seinen Reisen. „Ich möchte großartige Geschichten über Nahrung erzählen, die Menschen zu in die Tiefen der Souks in Marokko führen, wo man ein ganzes geröstetes Lamm isst. Oder zu dem Meeresschnecken-Fischer nach Tobago, der der letzte seiner Art sein könnte.“* Zimmern ist ein Anthropologe und Forscher; einer, der nicht nur in die Töpfe schaut, sondern auf die Menschen und ihre Kulturen dahinter. Essen ist ein Kulturgut wie auch Kleidung, Musik oder Kunst – und Zimmern nähert sich der kulturellen Vielfalt der Welt auf einem der sinnlichsten Wege an, die man überhaupt einschlagen kann: über den Geschmack.
Für Andrew Zimmern ist Essen vor allem eine Geschmacksfrage. © www.travelchannel.comBizarr, das muss auch Zimmern immer wieder erklären, ist dabei höchst relativ. Was dem einen seine Eselshaut, ist dem anderen sein Kaviar. In manchen Regionen der Welt mutet es wahrscheinlich schon recht bizarr an, Fischrogen zu verzehren. Als was ist bizarr? Eine Anekdote erzählt, Zimmern habe einmal in Samoa frisch am Feuer gegrillte Fledermäuse verspeist, als sein einheimischer Nachbar ihn ansprach. Er sei wirklich überrascht, sagte er, dass Zimmern seine Sendung bei ihnen mache. Viele sonderbare Sachen esse man hier doch wirklich nicht.