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Haben Sie Ihre Ferien schon einmal absichtlich auf dem Flughafen verbracht? Die School of Life macht es möglich. Unter Leitung von Autor und Philosoph Alain de Botton erkundet eine Reisegruppe ein Wochenende lang die ganze Welt des Reisens – am Flughafen Heathrow. Oder möchten Sie stattdessen lieber einmal ganz lange in den Himmel schauen und die Wolken beobachten? Auch dies ist für ein Wochenende möglich, auch dies wieder unter kundiger Führung, diesmal durch den Philosophen und Publizisten Gavin Pretor-Pinney. Beide Veranstaltungen, so ungewöhnlich sie scheinen, sind ganz selbstverständlich für das Programm der School of Life.
Ideas to live by untertitelt sich The School of Life im Logo – nicht mehr und nicht weniger bietet die Schule in der Tat. © The School of LifeIdeas to live by untertitelt sich The School of Life im Logo – nicht mehr und nicht weniger bietet die Schule in der Tat. Bei der School of Life dreht es sich aber nicht nur um ein paar praktische Anregungen für das alltägliche Leben. Vielmehr geht es darum, den eigenen Alltag mit mehr Sinn, Verstand und Erkenntnis anzureichern. Die School bietet einen intellektuellen Mehrwert für das oft allzu oberflächlich gewordene Leben. Sie füllt die Schnittstellen zwischen Philosophie, Psychologie, Literatur, Kunst und Unterhaltung mit neuem Leben, indem sie eine Vielzahl von Kursen, Vorträgen und Seminaren konzipiert, und sie würzt all dies mit einem guten Schuss Ironie. Das Ergebnis: Lehr- und Lernangebote, die ein weites Spektrum von Liebe, Politik und Arbeit bis zu Familie und Spiel abdecken. Der Umgang mit diesen Themen: zwischen tiefgründig und befreiend, provozierend und überraschend. Als „social enterprise“, soziale Unternehmung, sieht sich die School und bietet ihren Besuchern doch weitaus mehr.
Die Kunst der Konversation mit Fremden? Wird zelebriert bei den „Meals” in ausgewählten Restaurants. Alltags-, Beziehungs- oder Jobprobleme? Bei der „Bibliotherapy“ wird für jede Lebenslage ein individuelles literarisches Buchprogramm zusammengestellt. Bei den „Sermons“, Predigten, beleuchten bekannte Autoren, Philosophen, Künstler oder Geschäftsleute Ideen und Konzepte wie „Verführung“,„Liebe Deinen Nächsten“, „Neugier“, oder „Risiko“. Experten aus verschiedensten Disziplinen beraten und berichten zu Themen wie „Du bist, was Du liest“, „Wie man sich an Dinge erinnert“ oder „Wie wird man Entdecker“. Aber auch die Sitzung mit dem Psychotherapeuten lässt sich über die School of Life buchen. Herausfordernde Vielfalt in den Themen, kreative Konzeption von Veranstaltungen, dazu eine überzeugende Besetzung der Referenten – das ist das Erfolgsrezept der School of Life.
Experten zur Auswahl. © Stephen McLaren.Seit September 2008 überzeugt die School mit ihrem ebenso anspruchsvollen wie unterhaltsamen Programm. Standort ist ein Ladenlokal im Herzen von Bloomsbury, dem Literatenviertel von London, Gründerin ist Ex-Tate Modern Mitarbeiterin Sophie Howarth (siehe Kasten). Die Schule, erklärt sie ihr Ziel, widme sich der praktischen Anwendung von Philosophie auf die Kernaspekte des Lebens, und sie gebe Antworten auf persönliche brennende Fragen: Wie wichtig ist Sex wirklich?, oder: Was ist so großartig an der Demokratie? Ihre Vision der School hat sie in die Tat umgesetzt: Entstanden ist ein offener und gleichzeitig privater Ort, an dem man ernsthaft über das Leben reflektieren darf – jenseits des oft rein intellektuellen Anspruchs der akademischen Philosophie, und auch jenseits der Religion. Dass dies so gut gelingt, ist Howarths kreativer Umsetzung der Themen in gezielte Veranstaltungen zu verdanken – und ihren guten Kontakten zu Gleichgesinnten, die diese Veranstaltungen durchführen: Philosophen wie Alain de Botton, Fotografen wie Martin Parr, Wissenschaftler wie Richard Wiseman, Managerinnen wie Sam Roddick. Leichtfüßig überwindet Howarth Berührungsängste zwischen den Genres, zwischen Alltag, Erfahrung und Wissenskultur. Und sie beweist so, dass eine zeitgemäße, erlebbare Ausprägung von Philosophie sehr wohl einen Platz im Leben haben kann.
Wer bereit ist, ungewohnte Wege zu gehen, um dem eigenen Alltag etwas mehr Sinn zu geben oder wer die Sinnhaftigkeit des Leben überhaupt entdecken möchte, ist bei der School of Life richtig. Ihr Erfolg zeigt: Es gibt sie noch, die intellektuelle Neugier unter uns Menschen, und das in einer Zeit, in der das Denken allzu gerne anderen überlassen wird. Denken, beweist die School of Life, ist doch sexy.
Sophie Howarth © The School of LifeSophie Howarth, Direktorin der School of Life, ist Pädagogin, Autorin, Künstlerin und Kuratorin.
Bevor sie die School of Life gründete, leitete sie die Abteilung Education and Research am Institute of International Visual Arts (iniva) in London und war Kuratorin für Public Programmes bei der Tate Modern. Hier hat sie zahlreiche der Eröffnungsausstellungen entwickelt und in den folgenden Jahren hunderte von Events, Kursen und Konferenzen konzipiert.
Sophie Howarth lehrt und schreibt über das große Thema Fotografie. Sie war Mitkuratorin der Ausstellung Onto the Streets, die sich der zeitgenössischen britischen Straßenfotographie widmete und 2006-7 mit dem British Council um die Welt ging, und ist Herausgeberin des Buches Singular Images: Essays on Remarkable Photographs (Tate/UK 2005; Aperture/USA 2006).
Sophie Howarth hat zahlreiche redaktionelle Beiträge zu Kunst, zu Künstlern und zu verwandten Themen veröffentlicht – von der Langeweile in der Kunst bis zur Guerilla-Pädagogik. Sie ist 33 Jahre alt und lebt in London.