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Gesund und gut!
GESUND UND GUT!

GESUND UND GUT!

Wie wird sich das Essverhalten im kommenden Jahr entwickeln, und was bedeutet das für die Nahrungsmittelindustrie? Die Industrie beschäftigt ausgebildete Köche, um die Maßstäbe der Gastronomie mit den Anforderungen eines industriell hergestellten Lebensmittels zu vereinbaren. Sechs Symrise „Chefköche“ über Herausforderungen und Zukunftsaussichten.

Was ist die Herausforderung an die Industrie heute?

Marcus Leben: Der Lebensstil und damit auch die Essgewohnheiten der Menschen haben sich verändert. Wir haben immer weniger Zeit – zum Kochen, für ausgiebige Mahlzeiten, für Bewegung. Stress und Leistungsdruck nehmen zu. Und dennoch wollen wir uns mehr denn je gesund ernähren und auch auf Genuss nicht verzichten. Die globalen Megatrends Gesundheit und Convenience, Natürlichkeit und Genuss werden an Bedeutung noch weiter zunehmen.

Aude le Guilloux: Die Ansprüche der Verbraucher sind da sehr komplex: Sie wollen natürliche, gesunde Nahrungsmittel, die sich leicht zubereiten lassen und beliebig verfügbar sind. Und die vor allem gut schmecken! Hinzu kommen politisch und gesellschaftlich hochbrisante Themen wie Übergewicht und Diabetes. Hier muss sich die Industrie ihrer Verantwortung stellen.

Sebastiano die Caro: Es ist eine große Herausforderung an uns, den gewohnt guten Geschmack eines Produktes trotz der Reduktion von Salz, Fett und Zucker zu gewährleisten. Im Rahmen des Produktfolios taste for life® bietet Symrise den Kunden Geschmackslösungen für genau diese Produkte an.

Ronald Skala: Der Geschmack von industriell hergestellten Lebensmitteln ist ja von den Verbrauchern längst akzeptiert. Aber sie wollen sich auch mit Convenience-Food gesund ernähren – und da kommen die Flavorhäuser ins Spiel. Die Industrie braucht ja hochwertige, ausgereifte und komplexe Aromen, und die können wir liefern.

Joe Scott: Dabei spielt immer mehr auch der Preis eine Rolle: In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten müssen wir Produkte und Aromen entwickeln, die gut, gesund und dennoch erschwinglich sind.

Sechs Symrise „Chefköche“ über Herausforderungen und Zukunftsaussichten: Marcus Leben, Aude le Guilloux, Joe ScottSechs Symrise „Chefköche“ über Herausforderungen und Zukunftsaussichten: Marcus Leben, Aude le Guilloux, Joe Scott

Was zeichnet unsere Esskultur denn Ihrer Meinung nach heute aus?

Ronald Skala: Wie Marcus schon sagt: Die Menschen haben immer weniger Zeit zum Kochen. Man isst in Restaurants oder bereitet zu Hause Fertiggerichte zu. Und immer mehr Menschen greifen zu einem Snack zwischendurch oder zu Fast Food-Produkten.

Joe Scott: Ich glaube, in diesen Zeiten, in denen ein Restaurantbesuch für viele zu teuer geworden ist, stellen sich die Leute der Herausforderung eines neuen Gerichtes, eines neuen Geschmackserlebnisses lieber zu Hause. Durch das Internet ist eine weltweite Kochgemeinde entstanden, die ständig Rezepte austauscht.

Mitchell Dingwall: Ich denke, die meisten haben sich von den drei traditionellen Hauptmahlzeiten verabschiedet. Sie essen mehr Snacks zwischendurch. Und sie möchten dazu ein breites Spektrum an Geschmack.

Was denken Sie über die Zukunft der Lebensmittelindustrie?

Mitchell Dingwall: Sterneköche orientieren sich heute an dem, was auf der Straße und  von der Nahrungsmittelindustrie angeboten wird. Gleichzeitig verlangt der Konsument von Fertiggerichten nach gesunden Produkten mit einer Herkunftsbezeichnung aus der Region - natürlich, nachhaltig und frisch. Bis vor Kurzem wurden solche Forderungen nur von Küchenchefs der teuren Restaurants gestellt. Es scheint, dass der Kreis sich schließt – ich bin gespannt, was daraus wird.

Aude le Guilloux: Die Industrie arbeitet zunehmend intensiver mit qualifizierten Köchen zusammen,  um die sogenannten erlernten Geschmacksvorlieben wie eine Tomatensuppe aus der Tüte anzupassen und den Ansprüchen des Verbrauchers, sich gesund zu ernähren, gerecht zu werden.

Sebastiano di Caro, Mitchell Dingwall, Ronald SkalaSebastiano di Caro, Mitchell Dingwall, Ronald Skala

Welche Trends zeichnen sich denn Ihrer Meinung nach ab?

Aude Le Guilloux: Es gibt meiner Meinung drei große Trends: gesundes Essen, einzigartiges Essen, Snacks. Die Verbraucher wollen weniger Salz, weniger Fett, weniger Zucker, sie wollen nicht stundenlang am Herd stehen, und sie möchten ein besonderes Geschmackserlebnis, ohne viel dafür bezahlen zu müssen.

Mitchell Dingwall: Gesund ja, auf jeden Fall. Meiner Meinung nach geht der Trend auch in Richtung multisensorische Erfahrung. Chefs entwickeln inzwischen fast schon einen sechsten Sinn, wenn sie mit Aromen experimentieren - und sie arbeiten mit Humor, Ironie und Nostalgie. Ich denke, die Grenze zwischen pikant und süß verschwimmt immer mehr - und ich wette, dass es ganz neue und ungewöhnliche Geschmacksrichtungen geben wird: zum Beispiel gegrillter Pfirsich, geräucherte Vanille, gerösteter Ingwer und im Wok angebratene Ananas. Ich glaube auch, dass mehr indische und afrikanische Aromen verlangt werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik – aber spannend!

Gleicht sich der Geschmack weltweit an?

Joe Scott: Ich glaube nicht, und meiner Meinung nach macht das auch die Einzigartigkeit der internationalen Küche aus. Obwohl einige Köche alles miteinander verbinden wollen, werden einige der großartigsten Gerichte dieses Planeten ganz traditionell seit Generationen weitergegeben. Und obwohl viele Menschen fremde und exotische Gerichte lieben, so lieben sie doch am allermeisten den Geschmack, den sie mit Heimat verbinden.

Ronald Skala: Ob sich der Geschmack weltweit angleicht? Ja und nein. Viele starke Fast Food-Marken werden ja ganz speziell in solchen Ländern populärer, in denen es bisher schwierig war, so etwas zu bekommen. Aber ganz entscheidend ist auch dabei der lokale Geschmack: Mittlerweile sind Hamburger, Tacos oder Chili weltweit bekannt, aber fast immer wird sich deren Geschmack an das jeweilige Land anpassen - und deshalb schmeckt ein Hamburger in jedem Land ein bisschen anders.

Mitchell Dingwall: Ich glaube, Geschmack ist eines der wenigen Dinge, die sich trotz Globalisierung nicht angleichen werden. Egal wie frei sich Menschen in anderen Kulturen bewegen, egal wie begeistert sie vom jeweiligen kulinarischen Erlebnis dieser Kultur sind - den Geschmack ihrer Kindheit tragen sie im Herzen. Die amerikanische Palette ist sehr reichhaltig, es gibt hier alles an verschiedenen Gerichten, was die Welt zu bieten hat, aber die Amerikaner werden niemals ihre Cheeseburger, Hotdogs, Apfelkuchen und Pizza aufgeben. Ich denke, das kann man für alle Kulturen sagen.