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Lu Yan
LU YAN: WUSHU

LU YAN: WUSHU

Ist es Kampf? Akrobatik? Choreographie? Wushu ist mehr, Wushu ist alles. Als Oberbegriff bezeichnet Wushu, das im Westen fälschlicherweise oft Kung Fu genannt wird, alle Kampf-, Sport- und gymnastischen Künste aus dem Reich der Mitte. Auch für Lu Yan ist Wushu alles: Die erfolgreichste chinesische Wushu-Sportlerin trainiert heute den Nachwuchs in ihrer Heimat. Das Portrait einer nationalen Heldin.

Was wäre Sport ohne große Stars, deren Wettkämpfe die Zuschauer schlagartig in ihren Bann ziehen? – So ein Star ist Lu Yan. Der chinesische Kampfsport Wushu begleitet die heute 43-Jährige schon ein Leben lang. Der Grundstein zum Erfolg wurde bereits in jungen Jahren gelegt: 1972 wählten große Wushu-Meister die Zweitklässlerin aus, um bei ihnen zu trainieren – eine Ausnahme, denn es sollten nur wenige Schüler aus den höheren Schulklassen zugelassen werden. Bereits ein Jahr später durfte Lu Yan mit einer chinesischen Delegation von Wushu-Sportlern nach Mexiko und in die USA reisen. Sie präsentierte den kunstvollen Kampf unter anderem vor dem amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus.

Disziplin bei jedem Wetter

Zurück in China nahm das angesehene Peking Wushu Team die junge Sportlerin bei sich auf. Das Training dehnte sich schnell auf sechs Stunden täglich aus. Sporthallen waren rar im China der 70er Jahre, weshalb die jungen Talente im Freien trainieren mussten. In Peking bedeutet das Durchhaltevermögen – bei vierzig Grad im Sommer und minus zehn Grad im Winter. Zehn Jahre lang bestritt Lu Yan erfolgreich Wettkampf um Wettkampf. Das Rezept, um eine solche körperliche Belastung durchzustehen? Stärke und Unnachgiebigkeit, glaubt Lu Yan. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gut und lasse mich nicht von kleinen Dingen aufhalten.“

Jahre harten Trainings und ihr eiserner Wille machten Lu Yan zur erfolgreichsten Wushu-Sportlerin Chinas.© luyanwushu.comJahre harten Trainings und ihr eiserner Wille machten Lu Yan zur erfolgreichsten Wushu-Sportlerin Chinas.
© luyanwushu.com

Tiefe und Glück durch Wushu

Nach kürzeren Aufenthalten im Ausland lebt und arbeitet Lu Yan heute wieder in Peking. Ihr Leben ist nach wie vor der Kampfsport. Sie kann Wushu nicht entkommen, sagt sie selbst. So ist sie auch nach ihrer erfolgreichen Karriere als Sportlerin, während der sie fünf nationale Meistertitel und über vierzig Medaillen gewann, auf Wushu fixiert. Sie trainiert mittlerweile selbst Nachwuchsstars in Asien und dem Rest der Welt. Ihre Schüler gewinnen nicht selten Meister- und Weltmeistertitel.

Lu Yan glaubt, dass Wushu mentale und körperliche Kraft bieten kann. Die verschiedenen Wushu-Stile machen die Sportart jeder Altersgruppe und jedem Leistungsvermögen zugänglich. Ziel sind Gesamtbeweglichkeit, Ausdauer, Kräftigung und ästhetische Ausdruckskraft. Wer jedoch im Kindesalter beginnt, wird später mehr erreichen. Optimal ist der Einstieg mit acht oder neun Jahren. Und wer es weit bringen möchte, muss täglich mehrere Stunden trainieren. Das gilt auch heute noch. „Zeit ist wichtig!“, betont Lu Yan. Wer diese mitbringt, ist willkommen, ein Training bei der erfolgreichen Sportlerin zu absolvieren. Und dem wird sie vermitteln, dass „Wushu Tiefe hat und glücklich macht“. Sie selbst ist das beste Beispiel dafür.

Wushu – Tradition in der Gegenwart

Lu Yan tourte bereits 1974 mit der chinesischen Wushu-Delegation durch die USA.© luyanwushu.comLu Yan tourte bereits 1974 mit der chinesischen Wushu-Delegation durch die USA.
© luyanwushu.com

„Wushu“ kommt aus dem chinesischen und bedeutet „Kampfkunst“. Der Begriff fasst alle chinesischen Kampfsportarten zusammen. Ziel von Wushu ist die Harmonie zwischen Körper und Geist. Wushu entwickelt außerdem den Charakter weiter: So soll zum Beispiel der Willen gefestigt und die Motivation gefördert werden. Einige der Kampfsportarten erfordern Waffen wie das Schwert, den Stock oder den Fächer. Andere imitieren die Bewegungen von Drachen, Tigern und Kranichen.

Es sind mehrere hundert traditionelle und moderne Kampfkunststile in China bekannt. Es gibt nördliche und südliche, sowie innere und äußere Stilrichtungen. Im Norden Chinas sind weite Bewegungen und schnelle Läufe üblich. Im Süden führen die Kämpfer eher kurze, explosive Bewegungen aus. Die äußeren Stile legen viel Wert auf Geschicklichkeit, Stärke und Geschwindigkeit, die Inneren wiederum verlangen eine gute Köperwahrnehmung und fördern die meditative Entspannung.

Wushu hat eine über 3000 jährige Geschichte und erhielt erst durch den Einfluss des indischen Mönchs Damo (auch als Bodhidarma bekannt) klare Strukturen: Der Legende nach kam Damo um 520 n.Chr. nach China, um die Lehre Buddhas zu verbreiten. Der spätere Begründer des japanischen Zen-Buddhismus ließ sich im Shaolin-Kloster im Norden Chinas nieder. Dort unterrichtete Damo seine Schüler neben der täglichen Meditation in Gesundheitslehre und Selbstverteidigung. Die Techniken der Selbstverteidigung entwickelten sich später zur so genannten Shaolin-Kampfkunst, deren fünf Prinzipien das Fundament für alle chinesischen Kampfkünste bilden: langsame Belastungssteigerung, Ruhe und Gelassenheit, Mäßigung bei Essen und Alkoholgenuss, das Einhalten von Ritualen sowie lebenslanges Training.

Im Laufe der Jahrhunderte erlangten Wushu-Meister und -Schüler mal höchstes Ansehen und zahlreiche Titel, mal wurde Wushu verboten und nur im Geheimen praktiziert. Heute ist der Kampfsport längst wichtiger Teil der chinesischen Kultur und wird mittlerweile auch im Westen ausgeübt. Seit 1990 sorgt der offizielle Weltverband für Wushu (IWUF) für standardisierte Wettkampfformen und Weltmeisterschaften in jedem zweiten Jahr. Allein die Bemühungen um die olympische Anerkennung scheiterten. Obwohl die olympischen Spiele 2008 in Peking stattfinden, wurde Wushu als Wettkampfeinheit vom olympischen Komitee abgelehnt.

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