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Erwachsene hingegen teilen ihre Superideen eher ungern mit anderen. Anders als früher sind sie misstrauisch geworden, und im Berufsleben schon mal sowieso. Denn die Konkurrenz schläft nicht und Ideenklau ist an der Tagesordnung. Nur: Wenn jeder Mitarbeiter sein eigenes Süppchen kocht und diese in wohldosierten Portionen bestenfalls dem Vorgesetzten serviert – und das auch nur, wenn der dieses Wissen nicht als sein eigenes ausgibt – kann eine Firma dann überhaupt noch innovativ sein?
Neuerdings propagieren die Wirtschaftswissenschaftler eine Öffnung nach außen. „Open Innovation" heißt der Fachbegriff. Doch was genau steckt dahinter? So etwas wie das viel gelobte „Teamwork"?
Nicht ganz. Es sei denn, man versteht darunter das, was Kinder so teamfähig macht: echte Kooperationsbereitschaft. Die Bereitschaft, das eigene Wissen vorbehaltlos preiszugeben.
Doch was im Kindergarten und der Grundschule noch perfekt funktioniert, hat im späteren Leben durchaus seine Tücken: Der eine gibt sein Wissen nicht preis, weil er fürchtet, Konkurrenzvorteile zu verlieren und ersetzbar zu werden. Der andere scheitert daran, seine Idee weiter auszuarbeiten, weil er schon im Frühstadium nur ablehnende Reaktionen bekommt. Auslachen und zu frühe Ablehnung führt aber zu weniger Kreativität und Offenheit in der Zukunft. Bei allen kreativen Techniken wird daher ein Grundsatz verfolgt: In der Phase der Ideensammlung sind Kritik und Zensur strengstens verboten! Der Vorteil von Kindern ist schließlich ihre Offenheit. Sie gehen neuen Impulsen spielerisch nach – eben ohne gleich zu bewerten und zu verwerfen.
Gemeinsam an einem Problem arbeiten und gemeinsam eine Lösung finden: Das mach Spaß und ist kreativ. © Dmitriy Shironosov - Shutterstock.comGroß ist daher der Erfolg desjenigen, dem es gelingt, seine Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden oder die Zielgruppe zur offenen Kommunikation zu ermuntern, und der die dadurch gewonnenen Impulse dann effizient weiter verarbeitet.
Der Hamburger Management Coach und Diplom-Psychologe Markus Drude meint dazu: „Die Kunst ist es, den Leuten, die uns ihr Wissen zur Verfügung stellen, Wertschätzung dafür entgegenzubringen. Der Gast eines Hotels oder Geschäfts macht häufig deshalb keine sinnvollen Verbesserungsvorschläge, weil er nie erfährt, was aus seinen Anregungen geworden ist. Bestenfalls kriegt er einen warmen Händedruck, und wenn er sich geärgert hat, dann bucht er beim nächsten Mal lieber das Nachbarhotel. Schade auch. Alles vertane Chancen, wirklich innovativ zu werden."
Genauso wichtig ist es aber auch, diese Wertschätzung nicht nur dem Kunden, sondern auch innerhalb eines Betriebes oder einer Abteilung zu zeigen. „Als Führungskraft ist es entscheidend, seinem Angestellten deutlich und vor allen anderen zu zeigen: Wir respektieren Dich als Wissensträger, denn nur dank Deiner Mitarbeit wird unser Produkt besser." Mitarbeiter begreifen sehr schnell, ob Offenheit gefragt ist und zu Wertschätzung führt.
Bestes Beispiel für eine gelungene Profilierungsplattform ist das Internet-Lexikon „Wikipedia“. Wer immer daran mitarbeitet, einen Eintrag korrigiert oder erweitert, wird namentlich genannt. Wird also als für sein Engagement offen gewürdigt. Ähnlich und ebenso erfolgreich funktionieren im Internet die Photoseite „Flickr“, die virtuelle Welt „Second Life“, die Community „MySpace“ oder das Open-Source-Betriebssystem „Linux“. Und das, ohne große materielle Anreize, nur durch das Interesse der Mitwirkenden.
Endlich ein Rasenmäher nach Wunsch: Die Kunden des schwäbischen Gartengeräteherstellers "Gardena" wurden in die Entwicklung neuer Produkte einbezogen. © Kerry Garvey - Shutterstock.comWas im weltweiten web gelingt, kann Open Innovation auch in erheblich bodenständigerem Rahmen bewirken. „Und zwar in jedem Unternehmen, das dieses Prinzip begreift.", so Markus Drude.
Ein positives Beispiel, das in Fachartikeln immer wieder genannt wird, ist das schwäbische Unternehmen „Gardena", das mit einem Elektro-Rasenmäher für Aufsehen sorgte, weil der aus dem Stand einen Marktanteil von 18 Prozent erreichte. Wie war das möglich? An erster Stelle kamen die Kunden selbst zu Wort, als kritische „Experten" in Befragungen und nach Produkt-Tests. Das funktioniert, weil jeder gerne nach seiner Meinung gefragt wird, und weil das Ergebnis der Mitarbeit zu einem Produkt führt, das genau den Bedürfnissen des Kunden entspricht. Weiterhin setzt das Ulmer Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und – ein ganz wichtiger Punkt – lässt den eigenen Mitarbeitern die notwendigen Freiräume, um zu experimentieren, zu „spinnen" oder Bestehendes auf den Kopf zu stellen. Ergebnis: Die Stiftung Innovation hat das die Entwicklung mit dem "Ei des Columbus" ausgezeichnet.
Guck mal, das hab' ich gemacht: Die Kunden des Chicagoer T-Shirt-Herstellers "Threadless" entwerfen das Design selbst und machen auch selbst Werbung. © Threadless.comDie Modefirma „Threadless“ aus Chicago hat seine Kunden so weit mit einbezogen, dass das 2000 gegründete Unternehmen weder Trendscouts noch Stardesigner braucht. Die Firma verkauft bedruckte T-Shirts, mehr als 50.000 Stück pro Monat. Design und Werbung übernehmen die Kunden selbst. Jeder kann einen Vorschlag machen, im Internet werden die Entwürfe von den anderen Kunden bewertet. Der Entwurf, welcher die größte Zustimmung bekommt, wird dann in Auftrag gegeben. Die Kunden übernehmen auch die Werbung – sie posieren als Models und fotografieren auch selbst. Geld bekommen sie nicht dafür, nur die Hobby-Designer, deren Entwürfe produziert werden, erhalten 2.000 Dollar. Und merkwürdigerweise fühlt sich niemand ausgenutzt, im Gegenteil: Die Identifikation mit dem Kunden geht so weit, dass die Kunden „Threadless“ vor Nachahmern beschützen und deren Website hacken. Und sie übermitteln unzählige Ideen, wie man das Unternehmen verbessern könnte.
Prof. Dr. Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien leitet die Unternehmensvergleichsstudie „Top 100", die das Innovationsmanagement herausragender mittelständischer Unternehmen untersucht. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die ‚Top 100' unter anderem durch das Öffnen des Innovationsprozesses nachhaltige Wettbewerbsvorteile verschafft haben", so der Leiter der Studie.
„Die Komplexität der Herausforderungen im neuen Jahrtausend ist zu groß, als dass ein brillanter Kopf allein Lösungen entwickeln könnte. Daher ist es nicht der Glaubenssatz ‚Konkurrenz belebt das Geschäft’, der künftig zum Erfolg führen wird, sondern Offenheit, Vernetzung von Wissen und Ideen sowie die Förderung von echter Kooperationsbereitschaft", meint Markus Drude.
Wie das geht? „Ganz einfach. Das können wir jeden Tag von Kindern lernen, wenn wir Ihnen beim Spielen über die Schulter schauen."
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