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Eine quadratmetergroße Torte aus 1500 Rosen, die in verschiedenen Rottönen schimmern - erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die Blumen nicht echt, sondern aus Marzipan sind. Die Rosenköpfe sehen so zerbrechlich aus, dass die Torte eher einen Platz in der Glasvitrine im Wohnzimmer verdient hätte, als gegessen zu werden.
Die Kreation „Rosenbett“ ist ein Bestseller der „Cake-Designerin“ Peggy Porschen – und verlangt tagelange Handarbeit. Kristallpuder bringt die zarten Blüten zum Glänzen, und das helle Rosa, knallige Pink und tiefe Rot hat Peggy Porschen aus zahlreichen Speisefarben komponiert. Es sind drei elementare Dinge, die Peggy zum Tortenmachen braucht, doch die haben es in sich: Zeit, Geduld und Technik. Die Resultate gleichen Kunstwerken. Eine der Torten sieht aus wie ein verpacktes Geschenk, das mit einer breiten Schleife umwickelt ist, eine andere ist kaum von einer Hutschachtel zu unterscheiden. Und auf einigen Pralinen sitzen bunte Schmetterlinge aus Marzipan, die so wirken, als würden sie im nächsten Moment abheben wollen.
"Nostalgische Schokoherzen" © Georgia Glynn SmithSchon als Kind hatte Peggy Porschen eine große Leidenschaft für fantasievoll verzierte Kuchen und Plätzchen. Vom ersten Lebensjahr an bekam sie von ihren Eltern jedes Jahr eine Geburtstagstorte. Mit vierzehn begann sie selbst zu backen. Bald stand ihr Traumberuf fest: Sie wollte Konditorin werden. Ihre lang ersehnte Ausbildung absolvierte die angehende Tortendesignerin im Alter von 23 Jahren an der renommierten Patisserie- und Kochschule „Le Cordon Bleu“ in London.
Nach einer Stellung als Patisserie-Chefin im berühmten Lanesborough Hotel in der britischen Hauptstadt arbeitete Peggy für den erfolgreichen Caterer „Rhubarb Food Design“ und für die Patisserie-Kette „Konditor & Cook“. 2003 machte sie sich schließlich selbstständig – ihre Wohnung wurde zur Backstube. Der erste Großauftrag von Fortnum & Mason, einem traditionellen Londoner Kaufhaus, brachte sie jedoch an den Rand ihrer Kapazitäten. Mehr als 5.000 Kekse stapelten sich sogar im Schlafzimmer – und Peggy traf die Entscheidung, ein eigenes Studio zu eröffnen.
Gemeinsam mit ihrem Freund Bryn Morrow, einem erfolgreichem Koch, gründete sie 2005 die Peggy Porschen Ltd. Das Tortenstudio der Zuckerbäckerin befindet sich im Londoner Stadtteil Battersea und zählt zu den Topadressen, wenn es darum geht, hochkarätige Patisserien für Festivitäten zu bestellen.
"Monogramm-Torte" © Georgia Glynn SmithPeggys legendäre Torten begeisterten bereits die Hochzeitsgesellschaft von Stella McCartney und die Gäste der AIDS-Gala von Elton John. Aber die schmackhaften Kunstwerke sind nicht nur Prominenten vorenthalten. Plätzchen, Muffins, Kuchen und Torten kann jeder bestellen. Peggys Team besteht mittlerweile aus acht Angestellten, von denen sie einige selbst zu Kuchendekorateuren ausgebildet hat. Mit Feuereifer und viel Liebe zum Detail setzten die Mitarbeiter die Wünsche der Kundschaft je nach Thema und Stil um. Hochzeitspaare werden zum Beispiel darum gebeten, ein Stück Spitze vom Brautkleid oder eine Einladungskarte mitzubringen. Beim Entwurf der Torten übernimmt das Team die Muster dann detailgetreu.
Der Aufwand ist groß: Die Bestellung einer mehrstöckigen Torte zum Beispiel verlangt eine Vorarbeit von bis zu sechs Tagen. Ein strenger Zeitplan ist unumgänglich. Die Tortenetagen werden einzeln hergestellt, weil der untere Kuchen das gesamte Gewicht tragen und daher aus einem stabileren Teig angerührt sein muss. Teig und Füllungen können je nach Etage variieren.
… aber auch sehr detailliert und filigran“, beschreibt Peggy ihren Tortenstil. Die Ideen für neue Kreationen kommen ihr oft bei einem Spaziergang durch London. Trends wie der Retro-Look oder Barockstil setzt sie sofort in Dekorationen für Kuchen und Kekse um. Bei der Hochzeitsmode dominierte zum Beispiel eine Zeitlang ein dickes Schleifenband um die Hüften der Braut, das Peggy den Torten daraufhin in Form von Marzipan umlegte. Oft lässt sie sich auch von Mustern auf Tapeten oder Porzellan anregen – dann entstehen Backwerke, die aussehen, als seien sie mit Stoff umwickelt.
Peggy Porsches Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt: Die bunten und glitzernden Kreationen der Tortendesignerin lassen sich für die unterschiedlichsten Anlässe verwenden. Verzierte Cookies in Form von Seesternen, Handtaschen oder Tannenbäumen können als Tischdekoration, Platzkarte oder Christbaumschmuck eingesetzt werden. Wer einmal selbst Hand anlegen und sich im Tortenbacken und Dekorieren üben möchte, kann einen Blick in Peggy Porsches preisgekrönte Bücher werfen, in denen sie ihre Geheimnisse offenbart. Eine Garantie, genau so perfekte Kreationen zu schaffen wie sie selbst, ist leider nicht gegeben.
"Schmetterlingsträume" © Georgia Glynn SmithDie Patisserie- und Kochschule „Cordon Bleu“ wurde 1895 in Paris gegründet. Heute gibt es mehr als 29 Schulen auf fünf Kontinenten, die im Bereich der gastronomischen Ausbildung weltweit führend sind. Das Training dauert etwa ein Jahr und endet mit dem „Grand Diplôme“, das weltweit von allen kulinarischen Einrichtungen anerkannt ist und als internationale Eintrittskarte für eine erfolgreiche Karriere gilt.
Jährlich nehmen rund 20.000 Schüler an der Ausbildung teil. Die Meisterköche, die den Unterricht leiten, stammen überwiegend aus Restaurants, die sich durch ihre Michelinsterne einen Namen gemacht haben, andere haben bereits renommierte Wettbewerbe gewonnen. Neben der französischen vermitteln die Köche auch die moderne internationale Küche.
Der Name “Cordon Bleu” stammt übrigens aus dem 16. Jahrhundert, als König Henry III den „Orden vom Heiligen Geist“ gründete. Das Symbol des Ordens war ein Kreuz, das an einem blauen Band hing, dem so genannten „Cordon Bleu“. Dank der ruhmreichen Geschichte des Ordens und dessen üppigen, prunkvollen Zeremonien steht der Name „Cordon Bleu“ für eine hohe Qualität. Kein Wunder also, dass Marthe Distel, Journalistin und Verlegerin des kulinarischen Magazins „La Cuisinière Cordon Bleu“, bei der Gründung der Kochschule diesen Namen wählte.