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Herzlichen Glückwunsch, Steve Jobs! Und wozu diesmal? Zu einer weiteren zündenden Idee oder einem innovativen Produkt? Nein, diesmal geht es um die Gesamtheit dessen, was der Mann in den letzten Jahren geleistet hat: Das Wirtschaftsmagazin Fortune kürte Jobs im November 2009 zum CEO des Jahrzehnts und würdigte damit seine umwälzende Wirkung auf die Märkte von Musik, Film und Mobiltelefonie. Mit der Ehrung ist Jobs in bester Gesellschaft. Nur große Wegbereiter werden und wurden so ausgezeichnet: Henry Ford, der die junge Automobilindustrie für die Zukunft prägen sollte, oder Juan Trippe, der mit der Airline PanAm den globalen Flugverkehr erfand. Menschen mit Visionen, Unternehmer, die Grenzen überschritten.
Jobs ist ein CEO unseres Jahrtausends, und auch er hat ständig Grenzen überschritten. Seine Ideen, Visionen und Produkte haben die Welt der Kommunikation und der Unterhaltung geprägt, sie haben Dinge zusammengebracht, die zuvor niemand in Zusammenhang gebracht hatte. Er schuf die Kombination von „schön“, „funktional“ und „einfach“, von „überraschend“ und „begehrenswert“; er hat damit einen völlig eigenen Standard gesetzt. Er tat es bei seinen Anfängen 1976, als er Apple mitbegründete, und er tat es wieder, als er zu Apple zurückkehrte. Dazwischen: eine der nach eigenen Aussagen „kreativsten Perioden in seinem Leben“ bei Next und Pixar, in der Apple an Boden verlor und die Welt sich dem Standard von Windows zuwandte. Dann holte Apple Jobs zurück, und mit ihm kamen seine Produkte; schön, funktional und einfach. Überraschend und höchst begehrenswert. Er läutete einen Wandel ein.
MacBook Air, courtesy of AppleJobs ist Apple, und das mit allen Chancen und Gefahren. Fangemeinde und Investoren gleichermaßen verfolgen sein Tun unablässig. Seine lange Krankheit sorgte für emotionale Aufruhr und Börsenängste, seine Wiederkehr für Skepsis und Erleichterung. Nachahmer gibt es genügend jenseits der Apple Welt, ein Nachfolger im Unternehmen hingegen: nicht in Sicht. Offensichtlich ist die Marke Apple noch nicht ganz so reif, um für all das einstehen, was heute in der Person Steve Jobs vereint ist. Ein Personenkult in der Computerbranche ist dabei nicht ungewöhnlich. Auch Bill Gates von Microsoft oder Larry Ellison von Oracle sind Persönlichkeiten, deren Visionen und Ideen für Aufmerksamkeit und Aufsehen sorgten – eine gewisse Hassliebe mit eingeschlossen. Aber nur Jobs hat es geschafft, dass eine weltweite Community (fast) bedingungslos an seinen Lippen hängt. Sie verschmerzt die hohen Preise, sie warten geduldig in Warteschlangen an den Erstverkaufstagen neuer Produkte, sie verkraftet Merkwürdigkeiten wie den Reparaturausschluss von im Inneren nikotinverquarzten Macbooks. Microsoft dominiert mit seinem Betriebssystem und seinen Anwendungen die PC-Welt, und Bill Gates wird dafür alles andere als geliebt. Apple schließt seine Nutzer im eigenen System von iPhone, iPod, iTunes und App Store ein, und Steve Jobs wird von seinen Anhängern vergöttert. Das kann man mit Logik allein nicht erklären.
Jobs ist aber kein Missionar, der zur Gefolgschaft aufruft. Im Beruf gilt er als zuweilen schwierig, mit Sicherheit aber ist er anspruchsvoll. Einst soll er die Gestaltung von Speicherchips bemängelt haben: So schön wie möglich sollte eine Mac-Platine sein, selbst, wenn sie im Inneren des Gehäuses steckt und niemand sie sieht. Seine öffentlichen Botschaften wiederum sind von nüchterner Klarheit, sein Auftreten ist sachlich und freundlich. Kein Prediger steht da, sondern einer, der mit Logik und Argumenten überzeugt. Sein Mehrwert: dass bei aller Vernunft seine Ideen auch den emotionalen Nerv der Konsumenten treffen – damit wird er zum Verführer. Gleichzeitig vermittelt Jobs, dass er keine Vorherrschaft anstrebt, sondern den Menschen einfach nur das Beste geben will, was er hat. Das ist glaubhaft und authentisch. Und für Apple hat sich das gelohnt.
iPod Family, courtesy of AppleDenn als Jobs 1997 zu Apple zurückkehrt, ist das Unternehmen gerade noch 4 Milliarden Dollar wert – Hewlett Packard dagegen 62 Milliarden. Heute beträgt HPs Wert 119, Apple’s 184 Milliarden Dollar. Die Quartalszahlen, die Apple Ende September 2009 publizierte, sind wieder ein Anlass zur Freude. Der Umsatz stieg um 25, der Nettogewinn um 47 Prozent. Alle vier Quartale zusammen beendete Apple sein Geschäftsjahr – und es war womöglich das schlechteste Jahr der gesamten Branche – mit einem Umsatzplus von 13 und einem Gewinnanstieg von 18 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr. Jobs ist Herr über stolze 34,000 Mitarbeiter, über 275 Apple Stores weltweit. Apple ist der größte Musikhändler der Welt und hat in 23 Ländern 8,5 Milliarden Musikstücke verkauft.
Der Weg von Apple zu Jobs und zurück zu Apple ist kurz. Wer Jobs kennt, wird womöglich ganz schnell ein Markenfan und sichert dem Unternehmen den Fortbestand auch im nächsten Jahrzehnt. Einer US-amerikanischen Studie zufolge halten 12-17jährige Amerikaner Steve Jobs für wichtiger als Oprah Winfrey. “He made the world a better place”, sagten die Jugendlichen zur Begründung, weil er die Welt verbessert habe, und auch, weil er in so vielen Bereichen erfolgreich sei. So ähnlich hat das auch das Fortune Magazine gesehen, als es ihn zum CEO des Jahrzehnts kürte – zu Recht. Herzlichen Glückwunsch, Steve Jobs!